Fielmann hat keinen Durchblick… so titelt das Handelsblatt einen Artikel vom 9. Juli 2009 in seiner Onlineausgabe.
Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass Fielmann auf seiner Hauptversammlung keinen konkreten Blick in die Zukunft wagt.
Obwohl sich die Aktie von Fielmann zuletzt deutlich besser entwickelt hat als der Index, reagierten (laut Handelsblatt) Experten enttäuscht von den Zahlen des zweiten Quartals.
Der Umsatz wuchs in der ersten Jahreshälfte um 2,8 Prozent auf 464 Mio. Euro
Der Gewinn sinkt im ersten Halbjahr 2009 um 10 Prozent auf 72 Mio. EUR
In den ersten sechs Monaten sind 12 neue Niederlassungen eröffnet worden
In den ersten drei Monaten fielen die Werbeausgaben zehn Mio. Euro höher aus als im Jahr zuvor
Die Zahlen zeigen, dass Fielmann weiter durch Zukäufe das Wachstum vorantreibt. Die Steigerung der Werbeausgaben im ersten Quartal haben hierzu sicher auch nicht unerheblich beigetragen.
Marktführer Fielmann!
Gemessen am Umsatz liegt Fielmann nach Medieninformationen mit einem Marktanteil in Höhe von 22 Prozent noch vor Apollo.
Berücksichtigt man das Expansionsziel auf 700 Filialen, einem Absatz von 6.5 Mio. Sehhilfen und 1,1 Mrd. EUR Umsatz steht der Branche noch eine deutliche Marktverdrängung ins Haus. Und, nebenbei gesagt, bei einer Liquidität von 200 Mio. EUR ist das Expansionsziel für das schuldenfreie Unternehmen als realistisch einzustufen.
Für traditionelle Augenoptiker ist hier eine deutliche Marktpositionierung und Kundenpflege auf höchsten Niveau zwingend zu empfehlen. Neben der Marktpositionierung in der Sehberatung wird hier auch die Preispolitik bzw. Abgrenzung der Marken-Brillengläser zu den Handelsgläsern von großer Bedeutung sein.
Beobachtet man die Marktentwicklung etwas genauer, so wird auch deutlich, dass die Filialisten das Premium-Brillenglassegment immer stärker im Fokus haben. Hier können die Filialisten am stärksten ihren Umsatz ausweiten, auch ohne Stückzahlensteigerung. Durch den Wegfall der Preisbindung (UVP) werden zurzeit in Deutschland bereits an verschiedenen Standorten Premium-Gleitsichtgläser deutlich unter Marktpreisen angeboten. Für Filialisten ist das preiswerte Anbieten von Premiumgläsern nicht zwingend mit einem Verlust gleichzusetzen. Dadurch, dass diese Segmente bei Filialisten primär bis heute gar nicht verkauft wurden, werden hierdurch neue, preisaktive Premium-Käuferschichten gewonnen.
Mittelfristig werden auch die neuen innenprogressiven Premium-Handelsgläser das Preisniveau im Gleitsichtsegment deutlich nach unten schrauben. So verkauft TISCO innenprogressive Gleitsichtgläser im SEIKO-DESIGN bereits ab 19,50 EUR inkl. Komplettveredelung und Lotusschicht. Auch andere Preiswerte Anbieter, wie Visall, OGA oder Mailshop stehen hier mit preiswerten Hightechprodukten in den Startlöchern.
Auf den Unternehmertagungen und Seminaren hat Dipl.-Betriebswirt Wolfgang Krista immer wieder auf die Gefahren in der Verschiebung der Produktgattungen hingewiesen und auf das Problem hingewiesen, dass Mitarbeiter immer mehr preiswerte Handelsgläser empfehlen und die Marke außen vor lassen. Eine Entwicklung, die kurz- bzw. mittelfristig zu größeren Problemen heranwachsen kann, da der traditionelle Augenoptiker die Marken, bzw. Innovationen zwingend benötigt, um sich von den Billiganbietern zu unterscheiden. Der Mitarbeiter sollte aus diesem Grund trainiert werden, die Marke von den Handelsprodukten deutlich abzugrenzen.
Augenoptiker sollten hier analysieren, welche Auswirkungen die Preisveränderungen auf die Liquidität haben.
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